...ihr Deppen!

Anekdoten vom Berliner Hauptbahnhof

Nicht nur in architektonischer Hinsicht ist der Hauptbahnhof immer wieder ein Erlebnis.
Er bietet auch jeden Tag ein wohl einzigartiges Entertainment-Programm, und das ganz ohne Veranstaltung - zum Beispiel, wenn man sich einfach einmal der Beobachtung von Reisenden und Besuchern widmet ;)

* Ein älteres Pärchen schlendert an einem ganz normalen Donnerstagnachmittag gemächlich durch die Einkaufspassage im Erdgeschoss. Nachdenklich sagt Er, den Blick durch die Ebenen schweifen lassend:
" Es muss doch hier eine Möglichkeit geben, von einer Etage in die andere zu kommen."
Ob er es je herausgefunden hat...? :))

* Drei junge Mädchen mit einem Haufen Gepäck hetzen, vermutlich am selben Tag, ziemlich aufgeregt durch Ebene 0, direkt am Servicepoint vorbei. Kurz darauf kommt die Gruppe zum Stehen, und eine von ihnen seufzt entnervt:
"Wo ist denn hier blos die Rezeption?"
- Meine Damen, das Hotel am Bahnhof wird erst noch gebaut. Vielleicht kann Euch bis dahin der Servicepoint behilflich sein....

Besonders beliebt sind ja die Rolltreppen im HBF.
Sie bleiben nicht nur gerne mal aus heiterem Himmel stehen (natürlich nur, weil irgendein Idiot wieder mal auf den Knopf gekommen ist), sondern verwirren offenbar auch viele Menschen...

* Morgens im ersten Obergeschoss: Eine Gruppe Reisender nähert sich einer der Rolltreppen.
Diese jedoch ist gerade außer Betrieb. Die Frau ganz vorne brüllt laut: "Geht nich!", worauf eine andere Frau,
drei weitere (intakte) Rolltreppen sowie Aufzüge völlig ignorierend, besorgt fragt:
"Und wie kommen wir jetzt nach unten?"
Ob sie den Weg noch gefunden haben, weiß ich nicht :-)

* Bahnsteig 12: Wieder mal steht eine Frau ganz ratlos vor einer nicht funktionierenden Rolltreppe
(mein Gott, das kommt halt öfter vor - in allen Bahnhöfen) und versucht schließlich, sie mittels Draufhauen auf den Touchpoint am Geländer wieder in Gang zu bringen.
Sie will schon aufgeben, da bewegt sich die Treppe plötzlich wieder
(unten hatte ein Techniker sie wieder in Gang gebracht), und die Frau fährt mit stolz-zufriedener Miene nach unten.
Schön, dass wir nun wissen, wozu diese Touchpoints^ gut sind! ;)

Es gibt ja immer wieder Leute, die kennen den Bahnhof besonders gut, und wollen das natürlich auch nach außen tragen.
Diese Experten wissen genau, dass der Bahnhof 7 Etagen hat, von Mehdorn ganz allein gebaut wurde, und dass es keine Restaurants gibt, sie können genau Auskunft geben, wo sich der einzige Ausgang des Bahnhofs befindet, oder wo die 5 Stahlträger runterkamen....


Und wen beeindruckt man nicht gerne mit diesem Wissen?

* Gleis 13: Ein ICE macht Station im HBF, der Zugbegleiter und seine Kollegin steigen auch mit aus und riskieren einen Blick übers Geländer in den gewaltigen Bahnhof.
"Das geht aber ganz schön tief runter hier.",wird festgestellt.
"Ja", so der Zugbegleiter, "und ganz unten haste dann die S-Bahn."
Die Kollegin staunt.
(wahrscheinlich war sie, wie ich, noch auf dem alten Stand, dass oben die S-Bahn fährt, und unten bislang nur Regional- und Fernzüge.......:)))

* Zwei ältere Herrschaften mosern direkt vorm Reisezentrum im ersten UG:
"Is doch alles Käse hier - und man kann auch nicht mal jemanden fragen!"
(Man müsste es vielleicht mal versuchen.......?!?)

* Süß: Ein kleiner Junge zerrt neulich seinen Vater an der Hand durchs erste UG und meint laut:
"Ich weiß wo das ist! Ich kenn hier schon alles, ich war hier schon mal!"
-> tja, ich sags ja immer wieder: Orientierung im HBF ist doch kinderleicht!

Die besten Szenen spielen sich zweifellos in den Panorama-Aufzügen ab, die immer wieder auch gern von Leuten genutzt werden, die eigentlich auch Treppen laufen könnten, und sich dadurch diese enorme Beanspruchung ihres Denkvermögens sparen würden ;)

* Klassisch: Im Fahrstuhl auf dem Weg nach unten:
"Wo müssen wir eigentlich hin?" - "Gleis 6." - "Ey, dann fahrn wir in die falsche Richtung, wir müssen nach oben!"

* Neulich passiert: Zwei Mädels steigen in den Aufzug ein und sehen einander ratlos an.
Dann drückt die eine 'UG2' und gleichzeitig 'OG2'.
(Na, das nennt man Entschlossenheit!
)

* Auch neulich: Zwei Herren kommen fröhlich gestimmt in den Aufzug, und als die Türen sich schließen, beginnt die Beratung.
"Wo müssen wir hin?" - "12, glaube ich." (glauben kann man in der Kirche!...)
Der Andere drückt daraufhin 'UG2', worauf der Erste unschlüssig auch 'UG1' drückt.
Es wird diskutiert. Es wird resigniert.
Schließlich meint der Eine:
"Na gut, fahrn wir erstmal ne Runde, und gucken einfach, wo hier die Gleise sind..."
(der Aufzug fuhr übrigens dann direkt nach oben und hielt an Gleis 12 - wie freundlich doch dieser Bahnhof ist!)

* Letzte Woche: Ein Mann steht vor einem Aufzug und wartet. Vergebens, denn der Aufzug ist außer Betrieb.
Der Mann sieht das nicht, obwohl ich es von meinem Platz aus (einige Meter entfernt) noch gut erkenne (am rot leuchtenden Signal überm Rufknopf)...
Weil es ja keine anderen Aufzüge, geschweigedenn Treppen, in diesem Bahnhof gibt (...), fummelt der Mensch aus Verzweiflung an einem der Touchpoints^ herum (schließlich können die Dinger ja auch Rolltreppen heilen ;-)),
und grummelt vor sich hin, bis zwei wandelnde Deko-Elemente Security-Leute vorbeikommen, um ihm zu helfen.
Sie erklären ihm freundlich, wofür die Touchpoints eigentlich sind, und lassen den armen Mann dann wieder mit dem kaputten Aufzug allein, den sie offenbar auch nicht gesehen haben.
Ich weiß nicht, wie lange der Kerl da noch gestanden und gewartet hat..............



Irgendwo hat aber auch jegliche Situationskomik dann ein Ende, und das ist der Punkt, an dem man sich an den Kopf fasst, wenn Menschen einfach zu dämlich sind...
Wenn man beispielsweise vor lauter Lästerlust über den Bahnhof nichts mehr mitkriegt und so quasi seine Dummheit noch unterstreicht, dann kann einem wohl wirklich nicht mehr geholfen werden...


* Vorige Woche: Ein griesgrämiger Kerl betritt mit seinem ebenso griesgrämigen Gefolge den Aufzug
(und irgendwie sieht man dem schon an, was das für einer ist).
Kaum drin, fängt er an zu lästern - zum Beispiel, wie sehr doch die permanenten elektronischen Ansagen im Aufzug nerven, die über den aktuellen Standort informieren.
Dann weiter über die Bahn (und wohl auch den Bahnhof).
Aufzüge machen Geräusche, überall, aber in diesem Bahnhof fällt es wohl besonders auf.
Geringschätzig sagt der Typ:
"Na, der macht's wohl nicht mehr lange....", worauf er und seine Leute in Gelächter ausbrechen
(welches die folgende Standort-Ansage des Aufzuges übertönt).
Der Aufzug hält, und plötzlich verstummen sie.
Lästermaul fragt:
"Äh, wo sind'n wir jetzt eigentlich...?", anschließend steigen sie aus, um zu schauen..
(und entgehen durch diese Selbstvorführung dem sonst unvermeidlichen Schicksal, von mir per Fußtritt aus dem Aufzug befördert zu werden...
...)

Und man will uns ehrlich noch immer weis machen, dass sich die Leute NICHT einfach nur zu dumm anstellen, einen Bahnhof zu benutzen????

Gewidmet ist dieser Beitrag unter anderem
einem unserer Lieblingsblogger im HSB,
dem ich ihn bei der nächstbesten Möglichkeit um die Ohren hauen werde ;-)


^ Info zu den Touchpoints: Dafür sind sie gut